„Lifestyle“-Teilzeit: ​Viel Aufregung, wenig Substanz?

Wohl kaum ein arbeitsmarktpolitischer Vorschlag wurde so kontrovers diskutiert wie der Antrag zur sogenannten “Lifestyle”-Teilzeit. Der Backlash war groß: Politiker:innen, Gewerkschaften und Journalist:innen meldeten sich zu Wort – ganz zu schweigen von der breiten Meinungsäußerung auf Social Media.

Aber worum geht es in diesem Antrag eigentlich?

Am 25. Januar brachte der CDU-Wirtschaftsrat den Vorschlag ein, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit einzuschränken. Betroffen sein sollen vor allem Beschäftigte, die aus Sicht des Gremiums in „Lifestyle“-Teilzeit arbeiten, ein Begriff, der ganz schön wertend ist. Teilzeitansprüche sollen künftig nur noch in besonderen Fällen möglich sein, beispielsweise zur Betreuung von Pflegebedürftigen oder Kindern.

Doch wie sieht die wirtschaftliche Lage denn aktuell aus? Arbeiten die Deutschen zu wenig?

Kurz gesagt: nein. Auch wenn die älteren Generationen gerne über eine vermeintlich „faule Gen Z“ sprechen – eine richtig gehende Belastung für den Arbeitsmarkt – so sieht die Realität doch ganz anders aus. Laut einer Studie des IAB sind “die jungen Leute so fleißig wie lange nicht mehr”, betont IAB-Forschungsleiter Enzo Weber. Laut dieser Studie ist die Erwerbstätigenquote der 20-24 Jährigen seit 2015 kontinuierlich gestiegen und liegt mittlerweile bei rund 76%.

Zudem zeigt sich aktuell eher ein gegenteiliger Trend: Die Zahl offener Stellen geht zurück, während die unfreiwillige Arbeitslosigkeit wieder zunimmt. Von einer generellen Arbeitsverweigerung kann also kaum die Rede sein.

Wie sieht es aktuell bei den Teilzeitbeschäftigten aus? Können wir hier tatsächlich von einer „Lifestyle”-Teilzeit sprechen?

Zunächst ist wichtig festzuhalten: Teilzeit lässt sich nicht pauschal in Stunden messen. Teilzeit bedeutet ganz grundsätzlich, weniger zu arbeiten als vergleichbare Beschäftigte im selben Betrieb. Da fällt aber schon ein erstes Dilemma auf: In einem Unternehmen gelten 36 Wochenstunden als Vollzeit, in einem anderen Unternehmen arbeitet man damit bereits als Teilzeit – und würde damit unter den Begriff der „Lifestyle“-Teilzeit fallen.

Aktuell arbeiten rund 28% aller Angestellten in Teilzeit. Fast jede zweite Frau (49%) ist teilzeitbeschäftigt, während es bei den Männern lediglich rund 12% sind.

Als Hauptgrund für Teilzeit wird häufig die Betreuung von Angehörigen wie Kindern oder pflegebedürftigen Menschen genannt, insgesamt sind das rund 23,5 %. Dieser Grund wurde von Teilzeit beschäftigten Frauen (28,8%) viermal häufiger angeführt als von Männern (6,8%).

Als weitere Punkte wurden angeführt:

  • Aus- oder Fortbildung sowie Studium (11,6%)
  • eigene Krankheit oder Behinderung (4,9%)
  • keine Vollzeitstelle verfügbar (4,8%)
  • familiäre, persönliche oder sonstige Gründe (27,4%)

Lediglich 27,9 % gaben an, dass sie aus Wunsch an einer Teilzeitbeschäftigung auch Teilzeit arbeiteten.

Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N007_13.html

Doch was führt eigentlich zu diesem Wunsch nach Teilzeit – also nach mehr freier Zeit im Alltag?

Oft ist es genau das: der Wunsch nach Zeit. Die geopolitische Lage ist unsicher, das Leben wird spürbar teurer, und der Traum vom Eigenheim ist für viele – insbesondere in der jüngeren Generation – genau das geblieben: ein Traum. In einer solchen Realität verschieben sich Prioritäten. Wenn finanzielle Sicherheit und langfristiger Wohlstand immer schwerer erreichbar scheinen, gewinnt zumindest Zeit für Familie, Freund*innen und das eigene Leben an Bedeutung.

Hinzu kommt: In einigen Berufen stoßen Beschäftigte schlicht an physische Grenzen. Mehr Arbeit ist dort nicht nur eine Frage der Motivation, sondern auch der Belastbarkeit. Besonders deutlich zeigt sich das in der Pflege, wo hohe körperliche und psychische Anforderungen Teil des Arbeitsalltags sind. Da wundert es nicht, dass die Branche mit den prozentual meisten Teilzeitkräften die Gesundheits- und Pflegebranche ist. (Quelle: Kununu)

Und auch auf der weltweit bekannten Jobplattform Indeed wird das deutlich: Im Januar 2026 war unter der Suche nach einem Job als „Pflegefachkraft” der dritthäufigste geklickte Suchbegriff Teilzeit – gleiches gilt beispielsweise auch für das Jobprofil „Erzieher” (Quelle: Indeed; Hiring Insights).

So, genug von Zahlen. Aber was zeigen sie ganz deutlich? Teilzeit beschreibt vor allem die Arbeitsrealität von Frauen. Ein großer Teil arbeitet aus familiären Gründen oder zur Betreuung von Angehörigen in reduziertem Umfang. Gleichzeitig ist die Erwerbsquote von Frauen – insbesondere auch von Müttern – in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, was die Arbeitsbereitschaft ja deutlich unterstreicht.

Unterm Strich zeigt sich: Die Deutschen arbeiten nicht zu wenig. Gerade die jüngere Generation und Frauen haben ihre Erwerbsbeteiligung in den letzten Jahren spürbar erhöht. Vielmehr lässt sich ein strukturelles Problem erkennen.

Zwar wurde das Wording des Antrags inzwischen angepasst und der Vorschlag leicht abgeschwächt, dennoch wird das Thema Teilzeit im Februar weiter politisch diskutiert werden.

Gibt es nicht sinnvollere Hebel, um Beschäftigung und Arbeitsvolumen zu erhöhen?

Einige Ansätze aus der Praxis klingen deutlich zielführender:

  • strukturelle Verbesserungen, insbesondere für Frauen

  • mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung

  • bessere und realistische Betreuungsmodelle

  • Anreize zur Mehrarbeit, beispielsweise durch steuerliche Erleichterungen

Autor:in

Ann-Kathrin Schuh

Marketing & Employer Branding Manager

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Florian Racke

Sales Manager

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